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INTERPICNIC.1:1 Theater

Pressestimmen

 
   

Tip 15/2004 - EMH
Urban Fast Food

Andreas Walter schätzt profane Dinge des Alltags. So ist der Theaterwissenschaftler von den Charakteren und der inszenierten Wirkung von Kuscheltieren überzeugt. Sie sind die Protagonisten seiner Schmusetier-Soaps, deren Handlungen sich um alltägliche Ungereimtheiten drehen. Aber der gebürtige Oldenburger strebt auch nach höheren Gefilden. So hat er sich die Passionsspiele vorgenommen, die er mit 35 Laienspielern nach Kreuzberg holt und für moderne Berliner Verhältnisse adaptiert. Dann plant er gerade eine Talkshow, bei der normale Menschen als Opfer und Täter in Grenzsituationen des Alltags enttarnt werden. Wie gesagt, Andreas Walter schätzt einfache Dinge des Lebens, und so kocht er für uns ein klassisches Reste-Essen: eine Spezialität aus Oldenburg in Oldenburg, wie der Theatermann behauptet - das sagenumwobene, oft fälschlicherweise vorverurteilte Labskaus mit Rote-Beete-Salat(...).

TV Tipp 15/2004

Wer heute Abend Kultur-Check einschaltet, der wird nicht nur mit aktuellen Veranstaltungstipps vom Tip versorgt, sondern darf auch miterleben, was aus der Knolle Rote Beete wird, die der Theaterwissenschaftler Andreas Walter (Foto) da in die Kamera hält. Zwischen der Inszenierung seiner Schmusetiersoaps und vor den geplanten Kreuzberger Passionsspielen fand der Oldenburger noch Zeit, für 'Urban Fast Food" sein Leibgericht zu kochen - und das ist lecker Labskaus.

Das Magazin 08/2004 - Katja Winckler
Scheitern als Chance

Andreas Walter hat eine kuriose Stofftier-Soap erfunden. Theater? Kabarett? Comedy? Der Mann ist ein fröhlicher Grenzverletzer und passt zum CABINET-PREIS 2004. Ralf ist Mitte Dreißig: sympathisch, liebenswert-ungeschickt, ein Frauenversteher. Auf einer Party lernt er Gabi kennen, es funkt zwischen ihnen. Aber dann geht sie mit seinem besten Freund Guido fremd und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Ralf verliert seine Stelle, und als er einen neuen Job in Aussicht hat, schnappt ihm Guido auch noch die Arbeit weg. Der Clou: Ralf ist ein Stofftier, ein Schwein im Supermann-Kostüm. Gabi ist ein Igelin in rot-weiß-karierten Dirndl und Guido ein Hund in Latzhose und mit Schiebermütze. Andreas Walter, Buchhändler und Macher des Theaterprojekts Interpicnic, hat die 'ungewaschenen Stofftiere" (Promo-Text) bei der Secondhand-Ladenkette Humana für einen Euro erstanden und an Metallstangen befestigt. Immer am letzten Samstag im Monat gibt der 38jährige in einem ehemaligen Blumenladen seine Stofftiersoap 'Humana - Leben in Berlin" Für dreißig Minuten steigt er dann mit seiner Kollegin Ulrike Dittrich auf Bierkisten und lässt die Stofftiere in einer selbstgebastelten Pappkiste lieben, diskutieren und streiten. Viele Dialoge klingen wie aus einer TV-Soap oder wie am Kneipentisch belauscht. Es geht um Seitensprünge, Eifersucht, den üblichen Kleinkrieg zwischen Mann und Frau.
Menschenkenntnis dürfte Andreas Walter genug haben. Seit einigen Jahren verkauft der studierte Germanist, wenn er nicht gerade an seinen kuriosen Theaterprojekten arbeitet, bei Wohlthat`s Bücher. Der ganz normale Irrsinn des Lebens ist sein Thema. Scheitern als Chance. Immer ironisch betrachtet, mit einem Augenzwinkern. So funktioniert auch Walters Projekt 'Kraft zum Leben", eine Persiflage auf den Fernsehalltag. In der Doku-Show, einer Mischung aus 'Aktenzeichen XY" und Jürgen Fliege, erzählen jeweils vier Kandidaten (die Schauspieler rekrutiert Andreas Walter aus seinem Bekanntenkreis) ohne festgelegte Texte und Rollen von Momenten, in denen sie in einen Konflikt gerieten und sich als Opfer sahen. 'Das kann zum Beispiel sein, dass einer angerempelt wurde und sich den ganzen Tag darüber geärgert hat", erklärt Walter. Oft wird es urkomisch, wenn beispielsweise wie in Eduard Zimmermanns Kultserie die Alltagsszene in dilettantisch gedrehten Kurzfilmen nachgestellt und später diskutiert wird.
Lebensnah geht es auch in Walters 'Kreuzberger Passionsspielen(...)" zu. Premiere war im Juli. Das historische Vorbild wird in den jetzigen Alltag übersetzt. Alles beginnt wie im Original: Der Konflikt bleibt ausgespart, es geht gleich mit der Verurteilung los. Nur Jesus heißt hier Jörg, ihm wird vorgeworfen, nicht teamfähig zu sein, andere Leute durch Worte zu verletzten und nicht in die Gesellschaft zu passen. Die Szene der Soldaten, die um Jesus` Kleidung würfeln, wird umgewidmet: eine Nachbarin will Jörgs Wohnung. 'Allerdings wird unser Jesus am Ende nicht ans Kreuz genagelt", versichert Andreas Walter. 'Jörg", sagt er lächelnd, "rudert auf der Spree auf und davon."

FAZ 27.04.2002 - Anna Lehmann
Das Hochhaus beseelen
Andreas Walter, Projektentwickler

Ich hopse ziemlich rum, gucke mir viele Sachen an, telefoniere, denke mir Sachen aus und ab und zu arbeite ich im Buchladen. Durch die Kunstsachen kommt manchmal Geld rein, aber letztes Jahr hat es nicht gereicht. In Hamburg habe ich eine Lehre als Buchhändler abgeschlossen, dann bin ich nach Berlin um Theaterwissenschaften zu studieren. 1991 ging es los mit dem Theaterdock. In der Kulturfabrik in der Lehrter Straße, da stand ein Stockwerk frei. Ich war damals mit Gesine Danckwart, die jetzt Theaterstücke macht ein Paar. Gesine ist damals zum Kulturrat gegangen, so hieß das, wo die Gruppen aus der Kulturfabrik sich getroffen haben. Eines Abends kam sie nach Hause und fragte: Andreas, hast du Lust, Theater zu machen. Ich sagte: Ja, und so hatten wir diese Riesenetage, allerdings ohne Wasser, ohne Strom, und durch die Fenster regnete es rein. Es kam so ein bisschen Hausbesetzerfeeling auf. Das Theaterdock wurde unser Zuhause. Dann haben wir Theatergruppen gesucht, die Lust hatten dort aufzutreten. Es lief und es läuft immer noch, inzwischen ist die dritte Generation dort zugange. Die Kulturfabrik hat tausend Etagen, es gibt ein Jazzcafé, Ateliers, ein Kino, die Kunsthalle und eben das Theaterdock. Alle haben vor sich hingedoktert, und dann kam 1992 die Idee, (...) insgesamt für das Projekt Geld zu beantragen. So bin ich eine Etage höher gezogen und Geschäftsführer der Kulturfabrik geworden. Wir haben eine große Party gemacht, da kamen 10000 Mark rein, und das war mein Gehalt fürs erste Jahr. Über ABM-Mittel bekamen wir Gelder, und da waren neun Angestellte, und ich war der Chef. Ich habe Projekte koordiniert, Geld (...) organisiert und die Buchhaltung gemacht. Das Schwierigste war, alle Leute mit ihren unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen. Soziokultur heißt, alle machen es umsonst, aber dafür muss jeder gebauchpinselt werden. (...) Drei Jahre hab ich das gemacht, dann hab ich gemerkt, dass ich nicht mehr weiterkomme. Ich war zu stark zum Verwalter geworden, (...)die Kulturfabrik hatte eine Eigendynamik entwickelt, da konnte ich nicht mehr viel bewegen. Die Leute, die in der Kulturfabrik sind, das sind die, die auch in der Straße leben (...). Und das ist die Stärke der Kulturfabrik, sie ist ein intaktes soziokulturelles Zentrum mit starkem Kiezbezug (...). Nach meinem Ausstieg hab ich für das Kulturamt Tiergarten ein Straßenfest organisiert, das war super interessant. Ich kam aus der feien Szene mit vielen engagierten Leuten, und im Gegensatz dazu diese Kulturbehörde (...).Ich mache nicht noch mal Kultur, wo ich nur Organisator bin. Ich habe mein Theaterprojekt 'interpicnic'. Da mache ich meine eigenen Stücke, wie 'Green Card'. Da sind ich und mein Diaprojektor und dann noch ein paar Freiwillige, die kosten auch nichts. Mehr brauche ich nicht, am besten ist es, die Strukturen ganz klein zu halten. (...) Off-Theater versucht immer, Staatstheater zu machen, deshalb ist es oft nicht zu ertragen, weil die Schauspieler zu schlecht sind und zu wenig Geld da ist.(...) man kann Leute auch in einer Viertelstunde erreichen, man braucht dazu keinen ganzen Abend. (...) Zusammen mit Claudius Hagemeister, einem Off-Literaten (...) machen wir jetzt einmal im Monat (...) einen Abend mit Literatur und szenischen Projekten. Das ist ein Extrakt dessen, was ich machen möchte, sehr klein, kein hehres Theater, und ich bin damit ganz zufrieden. Ins Theater gehen ist ja oft sehr langweilig, aber Theater selber machen bringt ganz viel Spaß.